Trend zurück zur Natur

Naturbelassene Unikate: Helmut Jahn, Joachim Schlüter und Andy Grabowski (v.l.) präsentieren die Ausstellung der Gesellenstücke bei Nortex.

Neumünster. Mit Unikaten ist das so eine Sache: Sie sind einzigartig, das macht ihren Reiz aus – und zugleich sind sie meist nur schwer oder gar nicht erhältlich. So verhält es sich auch mit den Gesellenstücken, die 18 Auszubildende der Tischler-Innung Neumünster bei Nortex präsentieren: Es sind attraktive Tische, Schränke, Betten und mehr, gefertigt aus hochwertigen Materialien und aufwendig verarbeitet. Aber zu kaufen sind sie nicht – denn die Herzen der jungen Tischler hängen daran. Ab sofort und bis zum 27. Juni sind die Möbel im Modehaus am Grünen Weg 9-11 in Neumünster zu sehen.

Die Ausstellung hat bereits Tradition: Seit 16 Jahren werden die Gesellenstücke der Innung mit schöner Regelmäßigkeit bei Nortex gezeigt. „Manche unserer Kunden fragen schon im März nach, wann denn endlich die Ausstellung beginnt“, sagt Helmut Jahn, Berater des Hauses bei Nortex. Das war früher anders: „Damals im Jahr 2003 konnte sich das noch niemand vorstellen, wie ein Modehaus und Tischler zusammenpassen könnten.“
Doch genau das ist der Fall. Direkt beim großen Haupteingang sind die Anrichten, Kommoden und Schränke zu besichtigen. Wer den Blick über die schicken Tischlerarbeiten gleiten lässt, erkennt: Die Holzart Eiche liegt stark im Trend. Fast jedes zweite Möbel besteht ganz oder zum Teil aus dem dekorativen, langlebigen und robusten Material. Etwa ein Schreibtisch mit gezinktem Schubkasten, gefertigt von Tobias Petersen, Lehrling bei Hans Voss Holzbau. Oder ein Unterschrank aus Eiche, mit einer dunkel gebeizten Platte und hellerem Holz darunter, den Sabrina Mohr vom Berufsbildungswerk Neumünster designt hat.
Von letzterem zeigt sich Jahn begeistert. „Das ist so harmonisch gestaltet, mit geraden Linien, aber nicht verschnörkelt. Toll!“ Joachim Schlüter, Obermeister der Tischler-Innung Neumünster, nickt zufriden. Der 55-Jährige mit eigenem Betrieb in Boostedt freut sich, dass dieses Mal besonders viele Stücke zu sehen sind: „18 Teile haben wir noch nie gehabt – 2019 ist ein starker Jahrgang, was unsere Auszubildenden betrifft.“ Als Grund dafür nennt er die Form des Berufsschulunterrichts, der konzentriert in Blöcken von jeweils einigen Wochen stattfindet. Das sei attraktiv für die ausbildenden Betriebe, so Schlüter. Die Jobaussichten der Lehrlinge bewertet er positiv: „Ich kann mir gut vorstellen, dass viele übernommen werden.“
Dann sieht sich der Obermeister die Gesellenstücke genauer an, erläutert Bauweise, Stil und Material. Wer statt industriell gefertigter Pressholzplatten mit massivem Holz tischlert, müsse schon im Grundsatz ganz anders denken, erläutert Schlüter: „Das massive Holz lebt noch, es verhält sich bei verschiedener Luftfeuchtigkeit ganz anders – dass muss bei der Planung berücksichtigt werden.“ Allgemein gebe es beim Möbelbau einen klaren Trend hin zu mehr natürlichen Material – eben Massivholz, und dies eher geölt statt lackiert. Genau hier sieht Jahn eine Verbindung zum Modehaus Nortex – „bei uns werden ebenfalls viele Produkte aus Naturmaterial verkauft, etwa Leinen, Wolle und Baumwolle“, so der Modeexperte.
Die Faszination, die vom fachmännisch ausgeführten Handwerk ausgeht, ist der Lohn für die Auszubildenden. Seit Januar haben sich die Azubis im dritten Lehrjahr mit ihrem Gesellenstück beschäftigt. Insgesamt durften 100 Stunden daran gearbeitet werden – inklusive Planung, Fertigen einer Skizze, einer genauen Kalkulation und schließlich der praktischen Ausführung. Eine Jury des Kreishandwerks Mittelholstein wird in den nächsten Tagen nach bestimmten Kriterien die Gesellenstücke bewerten und drei Gewinner küren. Das Möbel des ersten Gewinners wird dann beim landesweiten Wettbewerb aller Tischler-Innungen Schleswig-Holsteins Endes des Jahres ins Rennen geschickt.
Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten von Nortex zu besichtigen. Das Modehaus am Grünen Weg 9-11 in Neumünster hat montags bis donnerstags von 9–19 Uhr, freitags von 9-20 Uhr und am Samstag von 8.30-19 Uhr geöffnet.