Für Mensch und Natur

Verzicht auf unnötige Chemie: Hosenhersteller Joker setzt seit 40 Jahren auf Nachhaltigkeit

Bönnigheim. Nachhaltige Produktion, das meint: neue Werte entstehen, ohne dass begrenzte Ressourcen ersatzlos verbraucht werden. In der Folge ist der Begriff längst zum Allerweltswort geworden. Doch bei Joker in Bönnigheim, einem der letzten vollwertigen Textilhersteller Deutschlands, wird das Prinzip seit 40 Jahren umgesetzt. Ein Interview mit Geschäftsführer Thomas Golze.

Herr Golze, welche Ziele verfolgt Joker beim Thema Nachhaltigkeit?

Thomas Golze: Wir möchten die Umwelt schonen, die Mitarbeiter, die das Produkt herstellen, schützen, und natürlich auch den Endverbraucher, der die Hose trägt, nicht unnötig mit Chemikalien belasten. Deswegen haben wir bei Joker stets auf toxische Mittel verzichtet.

Wie funktioniert das konkret bei der Produktion?

Wir haben noch nie Chlor und schon früh alternative Bleichverfahren angewendet. Dabei wird heute Ozon erzeugt, in einem geschlossenen Behältnis, sodass nichts entweichen kann. Nach der Zugabe von Wasser zerfällt es wieder zu reinem Sauerstoff. Zusätzlich wird jede Hose mit 80 Grad heißem Wasser gespült, damit wirklich jegliche Rückstände aus den Hosen entfernt werden und sie einen hautfreundlichen pH-Wert haben.

Was mutet man denn seiner Haut zu, wenn man eine Billigjeans vom Discounter kauft?

Fragen Sie einmal einen Dermatologen, was der zum Thema Hautirritationen durch solche Billig-Textilien sagen kann…

Worin unterscheidet sich Joker von der Konkurrenz?

Unsere Mitbewerber lassen an vielen Orten in der Welt produzieren, etwa in Nordafrika oder Asien. Natürlich unter
anderen Umweltbedingungen. Wir dagegen unterliegen mit unserer Produktion dem deutschen Gesetz und seinen Auflagen, so müssen wir beispielsweise Abwasserproben entnehmen und 21 Tage bereithalten, um nachweisen zu können, welche Belastungen darin enthalten sind.

Das gibt es in Bangladesh, China und anderswo wohl eher nicht.

Nein. Da sehen sie dann nur, welche Farbe der Fluß nahe der Fabrik hat, je nachdem, was gerade gefärbt wurde. Ich war viele Jahre selbst als Einkäufer in Asien unterwegs – da hat das Thema Umwelt einfach nicht den Stellenwert wie bei uns. Ein asiatisches Land, das völlig umgedacht hat, ist Japan: Mittlerweile gelten strengste Umweltvorschriften, und von dort stammt unser bester Denim. Die Fabriken, die ihn herstellen, müssen ihre Abwässer in Trinkwasserqualität in Flüsse einspeisen.

Wer prüft das?

Es gibt ein effektives System, um das zu gewährleisten – die Behörde nimmt den Fabrikinhaber mit zur Abwasseranlage, dann kriegt er eine Kelle und darf einen Schluck daraus trinken. Damit ist alles erledigt (lacht). Übrigens: Im Modell „Nuevo“ wird dieser Denim verarbeitet, und Nortex verkauft die Hose ganz erfolgreich …

Was bedeutet Nachhaltigkeit für die Mitarbeiter bei Joker?

Es fängt damit an, dass wir alles mit eigenen, bei Joker angestellten Mitarbeitern produzieren, auch in unserem kolumbianischen Werk. Die verdienen zwischen 600 und 700 US-Dollar im Monat, haben eine Sozialversicherung – das ist für dortige Verhältnisse enorm viel. Viele nähen seit 20 Jahren für uns. Nachhaltig bedeutet aber auch, dass in unserem Unternehmen in den letzten fünf Jahren alle Maschinen und Geräte ausgetauscht wurden, hin zu mehr Effizienz.

Warum geht Joker diesen Weg?

Das gehört zu den Grundsätzen unseres Inhabers Jürgen Bernlöhr. Man muss einmal dazu sagen: Das funktioniert nur, weil wir ein mittelständischer, familiengeführter Hosenhersteller sind. Mit Stückzahlen unserer Wettbewerber wäre das nicht möglich. Was in Asien Kinder mit Schleifpapier und anderem Werkzeug in die Hosen hineinritzen, um etwa diesen „Used“-Look herzustellen, das übernimmt bei uns ein programmierbarer Laser. Bei uns gibt es keine Kinderarbeit – dafür können wir die Hand ins Feuer legen.

Joker-Jeans sind in zahlreichen Farbnuancen erhältlich. Foto: Rühmann

Was ist das Besondere an einer Joker-Hose?

Die Qualität und Passform sind unser größtes Gut. Wir bieten strapazierfähige, robuste Hosen an, und jede Hose wird in der Bundweite und der Beinlänge genauestens vermessen. Um dem Kunden, der nicht so viel Freude hat am Anprobieren von Hosen, zu garantieren: Wenn er eine Joker-Jeans einer bestimmten Größe gefunden hat, kann er sicher sein, dass das bei einer zweiten gleicher Größe ganz genau so ist.

Was ist der Klassiker im Sortiment, und was ist neu?

Der Klassiker sind unsere Jeans-Modelle, beispielsweise die „Clark“. Neu ist die „Nuevo“, etwas schlanker in der Form und mit Stretch-Anteil. Das ist, wenn man so will, unser „neuer Klassiker“, und der verkauft sich hervorragend. Die stärksten Farben sind schwarz und blau, dazu auch beige, olive und Schlammtöne.

Nortex ist der Größenspezialist im Norden – passt das zu Joker?

Ich glaube, wir bieten ein Größenspektrum an, dass es in der deutschen Bekleidungsindustrie kein zweites Mal gibt. Das geht von der Größe 30 bis zur 46 hoch. Übrigens: Es gibt kein Einzelhaus, dass in Deutschland mehr Joker-Jeans verkauft, als Nortex (lacht).

Ein Blick voraus: Entwickelt Joker derzeit neue Produkte?

In Zukunft wollen das Thema Japan-Denim ausbauen und ab Sommer 2020 eine noch leichtere Denim-Qualität anbieten. Nicht ganz einfach, weil wir ja nicht unseren Anspruch an die Strapazierfähigkeit aufgeben möchten. Doch wir sind guter Dinge, das hinzukriegen.