Ein Herz für Wolle

Annegret Heuermann stellt seit vielen Jahren erfolgreich hochwertige Strickwaren in Deutschland her

Dissen. In der niedersächsischen Kleinstadt Dissen fertigt das Strickstudio Heuermann Damenmode aus feiner Merinowolle. Inhaberin Annegret Heuermann schildert im Interview, welche Vorteile die Produktion in Deutschland mit sich bringt und welche Herausforderungen es zu meistern gilt – und schwärmt für die Vielseitigkeit der Naturfasern.

Frau Heuermann, sie bieten seit vielen Jahren hochwertige Strickwaren aus Deutschland an. Wofür steht ihr Unternehmen?

Annegret Heuermann: Wir sind ein traditionelles Textilunternehmen und stehen dafür, in Qualität und Schnelligkeit am Markt erhalten zu bleiben – und sind dabei unserem Grundsatz treu geblieben, nur in Deutschland zu produzieren.

Welche Vorteile ergeben sich daraus?

Für uns bedeutet das: Wir haben eine komplette Übersicht über alle Produktionsschritte, haben auf alles Zugriff und können es direkt steuern. Das macht sich letztlich nicht nur in unserer Flexibilität, sondern auch in der Qualität der Produkte bemerkbar. An uns wird maximal unter 0,1 Prozent der gelieferten Ware wieder zurückgeschickt; eine viel niedrigere Rate als bei den größeren Online-Händlern. Auch unsere Kunden und die Endverbraucher profitieren davon, so kann beispielsweise Nortex zielgerichtet und bei gleichbleibender Qualität auch einzelne Teile bestellen.

Viele Betriebe haben ihre Produktion komplett ins Ausland verlagert. Ist die Produktion hier zu teuer?

Es geht ganz klar um Gewinn – der fällt natürlich niedriger aus, wenn man höhere Löhne an seine Mitarbeiter zahlt, viele arbeitsbedingte Auflagen und Bürokratien erfüllt. Wir sparen gleichzeitig aber bei anderen Kosten wie etwa Transport, Zoll und Werbung. Deswegen sind wir auch noch ein Geheimtipp! Ich habe jedenfalls immer gesagt: Die Fertigung hier in Deutschland ist machbar.

Und ist sogar flexibler?

Ja, wir können hier vor Ort gerade bei individuellen Kleinserien viel schneller reagieren, wenn es besondere Anfragen von Kunden gibt. Das wäre anders, wenn die Produktion auf der anderen Seite der Erde gemacht würde und erst einmal alle Änderungen und neuen Infos weitergegeben werden müssten. Grundsätzlich sind wir in der Lage, Aufträge, die morgens hereinkommen, sehr kurzfristig abzuwickeln und direkt die gewünschte Kleidung zu produzieren – wenn es dringend nötig ist, geht das über wenige Stunden!

Was bietet Ihr Unternehmen im Sortiment?

Das ist die komplette Damenoberbekleidung, also Strickjacken, Strickpullover, aber auch Röcke, Hosen und Outdoor-Mäntel aus Wolle. Dazu kommen Accessoires wie Schals und Capes. Im Homewear-Bereich bieten wir Kissen und Decken aus Strick an – auf Wunsch mit individuellem Logo.

Woher stammen die Ausgangsstoffe?

Das Grundmaterial ist zu 100 Prozent feine Merinowolle, die aus Italien stammt. Wichtig ist, dass wir keine grobe Schurwolle verwenden; die Wolle vom Merinoschaf kratzt überhaupt nicht, sie ist sehr weich und angenehm auf der Haut zu tragen. Auch für empfindliche Menschen sehr geeignet.

Nehmen Sie uns mit auf einen gedanklichen Rundgang durch Ihren Betrieb?

Sehr gern! Mit dem Rohgarn fängt es an, das bekommen wir schon gesponnen und gefärbt. Dann entwickeln wir ein neues Kleidungsstück, etwa eine neue Strickjacke. Via PC wird das Muster auf die Strickmaschinen übertragen, die den Stoff produzieren. Sie arbeiten mit zirka 2000 Nadeln und sind flexibel einsetzbar. Im Anschluss wird die Stoffbahn mit viel heißem Dampf gebügelt: „gekrumpft“ nennt das der Experte. Dabei verhaken sich die Wollfasern ineinander, so werden Laufmaschen bei der Weiterverarbeitung vermieden. Dann werden die Teile der Strickjacke ausgeschnitten und in der Näherei beziehungsweise Rundkettelei Masche für Masche vernäht. Im Finish wird die fertige Strickjacke offen gedämpft – so entfalten spezielle Muster wie etwa ein Zopf ihre volle optische Wirkung.

Welche Farben, Formen und Schnitte sind bei Strick denn gerade „in“?

Letztlich bestimmt das bei uns der Kunde! Gelb ist derzeit im Trend – aber das kann sich auch wieder ändern. Vor ungefähr drei Jahren gab es eine Saison, in der keiner die Farbe Lila haben wollte. Dann, innerhalb von wenigen Wochen, hat sich das komplett gedreht, und plötzlich war die Farbe  in hellen, mittleren und dunklen Varianten sehr stark nachgefragt. Bei den Schnitten sind gerade und weite Formen wieder im Kommen: Pullover zum Beispiel haben wieder eine gerade Form, sind etwas ausgestellter und fallen so weicher und verspielter als früher – das wird immer beliebter.

Ist Wolle ein Thema auch außerhalb von Herbst und Winter?

Unbedingt! Wolle hat einen tollen Vorzug im Sommer:  sie hat einen Lichtschutzfaktor von 40, das wissen nur viele nicht. Aus diesem Grund sind auch die Kaftane der Beduinen teilweise aus feinster Merinowolle. Sie ist auch ein willkommenes Material für feine Sportunterwäsche, weil sie klimaausgleichend wirkt und geruchsneutral ist: Wenn man mal schwitzt, kann man das Stück einfach auslüften – und schon ist es wieder gut zu gebrauchen!

Viele Menschen wollen fair hergestellte Bekleidung ohne Schadstoffe kaufen. Helfen die Gütesiegel der Branche dabei?

Die vielen Zertifikate sind der reinste Schilderwald, davon halte ich gar nichts. Es gibt viel zu viele Zeichen, die sich oft nur auf ein ganz bestimmtes Thema beziehen; und nur bei diesem garantieren sie, dass Regeln eingehalten werden. Wenn auf Baumwolle steht, sie sei umweltschonend gebleicht und gefärbt – dann frage ich mich: Wer hat die Baumwolle eigentlich gepflückt? Das waren in vielen Fällen Kinderhände.

Was raten Sie den Verbrauchern?

Man muss ganz genau schauen, wofür ein Siegel wirklich steht und welches man unterstützen möchte. Das ist schwierig und geht nur über einen guten, transparenten Austausch von Informationen zwischen Produzent, Händler und Kunden. Am besten, man informiert sich direkt im Fachgeschäft und nicht nur online.

Auch Nachhaltigkeit ist immer mehr ein Thema…

Nachhaltigkeit fängt bei uns bei den Transportwegen an: Die sind kurz, deshalb sind auch die Verbräuche gering. Wir achten sehr darauf, unnötige Strecken zu vermeiden und die Verpackungsmaterialien gering zu halten. Wir verzichten auf chemische Ausrüstung der Garne und erhalten hier in der Region die Arbeitsplätze: Unsere Mitarbeiter sind durchweg qualifizierte Textilmaschinenmechaniker und Modeschneider. Ein Beruf übrigens, der langsam und nicht zuletzt durch die Einführung des Begriffs „Mode“ wieder mehr nachgefragt wird. Man hat das Gefühl, dass die Jugendlichen wieder mehr Spaß am Handwerk ganz allgemein haben.

Das Textilunternehmen Strick-Studio H.W. Heuermann GmbH hat seinen Produktionsstandort in Dissen in Niedersachsen. Für die Herstellung hochwertiger, modischer und bequemer Strickwaren werden vor allem feine Merinowolle aus Italien sowie Baumwolle verwendet.  Gegründet hat den Betrieb Heinz-Willy Heuermann im Jahr 1976, seither wurde und wird ausschließlich in Deutschland produziert. Weitere Informationen rund um die Kollektionen von Heuermann im NORTEX-Sortiment erhalten Sie auf Wunsch direkt im Modehaus sowie unter Telefon 04321/8700211.