Psychokrieg an der Waterkant

Der Nordstrander Hannes Nygaard hat einen neuen „Hinterm Deich“-Krimi veröffentlicht

Nordstrand. In einer Husumer Straße namens Totengang nimmt die Geschichte ihren Lauf: Dort sitzt ein 15-Jähriger auf einer Bank, nahe eines Friedhofs. Er rührt sich nicht, und das hat einen Grund – in seinem Blut fließt eine tödliche Dosis Alkohol.

Die ältere Dame hat noch nie unentschuldigt ein Frühstück mit ihrer Nachbarin versäumt. Jetzt ist sie wie vom Erdboden verschluckt, der Tisch ist noch frisch gedeckt. Ein Senior wird, ohne es zu wollen, Opfer seiner Flohsamenschalen-Diät. Was haben diese Ereignisse gemeinsam?

Psychokrieg mit einem Serienkiller

Sie gehören zu den Vorfällen, die die Husumer Ermittler Große Jäger und Mats Skov Cornilsen im neuen „Hinterm Deich“-Krimi des Erfolgsautors Hannes Nygaard auf Trab halten. „Es geht darum, dass in Husum und Umgebung an Kirchentüren Bilder angeschlagen werden, Fotografien von Menschen. Ohne Kommentar“, schildert der Schriftsteller: „Merkwürdig ist, dass diese Leute dann kurz darauf sterben. Als die Polizei feststellt, dass dahinter ein System steckt, versucht man, sich auf die Lauer zu legen…“

Was zunächst völlig willkürlich wirkt, entpuppt sich im Lauf des Romans als das perfide Spiel eines Serienkillers, mit dem sich Große Jäger einen Wettlauf um das nächste Opfer liefert. Es passiert, dass Passanten das Foto eines Bekannten angenagelt an einer Kirchentür entdecken – und den nichtsahnenden Betroffenen mit der Frage schockieren, ob er noch am Leben sei. Niemand kann sich mehr sicher fühlen: auf der idyllischen Halbinsel Eiderstedt mit ihren altehrwürdigen Dorfkirchen tobt bald ein Psychokrieg, der an die Nerven geht.

Alter Hase gegen junge Profilerin

Doch das ist nicht die einzige Herausforderung, der sich der Kultkommissar stellen muss. Dem altgedienten, stets ein bisschen schmuddeligen Polizisten wird nämlich – zu seinem großen Ärger – eine junge Profilerin aus Kiel zur Seite gestellt. „Die Husumer haben eigentlich keine Mordkommission. Die machen das immer mit Herz und Verstand, haben aber eigentlich gar nicht die Infrastruktur dazu“, erläutert Nygaard. „Das macht den Reiz meiner Bücher aus.“

Längst nicht nur das: „Das Böse hinterm Deich“ ist ein Krimi, dessen Szenerie und Protagonisten ganz typisch sind Schleswig-Holstein – das macht ihn spannend und unterhaltsam zugleich. Vom ersten Kapitel an ist klar, dass sein Verfasser seit etlichen Jahren auf Nordstrand lebt und sich mit Land und Leuten im Norden bestens auskennt. Das hat er auch bereits mit einer Vorlage für die Kieler Tatort-Folge „Borowski und die einsamen Herzen“ unter Beweis gestellt: Es ist das „Tatort-Gefühl“, bekannte Gefilde unter kriminellen Vorzeichen zu erleben, dass auch in Nygaards neuestem Roman für das Kribbeln beim Umblättern sorgt – Seite für Seite.

Krimiwerkstatt direkt „hinterm Deich“

Der Erdenker dieser kriminellen Aufregung heißt mit bürgerlichem Namen  Rainer Dissars-Nygaard. Er wurde 1949 in Hamburg geboren und arbeitete Jahrzehnte als Unternehmensberater, bis er eines Tages begann, Kurzgeschichten aufzuschreiben.  2004 verfasste er den ersten Krimi. Heute lebt und arbeitet Nygaard auch im wirklichen Leben „hinterm Deich“ – aus dem Fenster seiner Krimiwerkstatt blickt er direkt in die Weite des Nordstrander Marschlandes.

Der Kriminalroman „Das Böse hinterm Deich“ von Hannes Nygaard ist 2020 beim Emons Verlag erschienen, hat 272 Seiten und kostet 13 Euro (ISBN 978-3-7408-0804-4). Mehr Infos zum Buch finden sich im Internet auf der Seite des emons-Verlags unter www.emons-verlag.de; Wissenswertes über den Verfasser sind auf www.hannes-nygaard.de verfügbar.