Jedes Jahr drei Hektar mehr

In Schleswig-Holstein hat sich die Anbaufläche für Rot- und Weißwein in 10 Jahren verdreifacht: ein Interview mit Schleswig-Holsteins Verbraucherschutz-Ministerin Sabine Sütterlin-Waack darüber, welche Sorten hierzulande besonders gut gedeihen und was sie für die Zukunft der Branche erwartet.

Frau Ministerin, seit 2009 ist Schleswig-Holstein offiziell Weinanbauland. Wie entwickelt sich diese Sparte der Landwirtschaft?

Sabine Sütterlin-Waack: Kontinuierlich wachsend, allerdings auf einem recht geringen Niveau. So kamen in den letzten drei Jahren jährlich rund drei Hektar Anbaufläche hinzu.

Welche Gründe gibt es für diese Entwicklung – ist das eine Folge des Klimawandels?

Nein. Das liegt einzig und allein an der Initiative der interessierten Weinbautreibenden.

Ein Blick zehn Jahre voraus: Was erwarten Sie für die weitere Zukunft des hiesigen Weinanbaus?

Das große Interesse, das die Verbraucher an regional produzierten Produkten haben, wird sicherlich dem hiesigen Weinanbau ein interessantes Nischendasein ermöglichen. Eine größere Ausweitung oder gar eine Konkurrenz zu den traditionellen Weinbaugegenden oder den Deutschen Qualitätsweinen ist aber nicht zu erwarten.

Braucht es weitere Gesetze vom Land – und falls ja, welche?

In diesem Punkt haben wir bereits unsere „Hausaufgaben” gemacht. Die rechtlichen Voraussetzungen für den Weinanbau bei uns im Norden sind geschaffen. Alles Weitere, wie beispielsweise eine Ausdehnung der Weinflächen, um dort Schleswig-Holsteinischen Landwein zu produzieren oder auch eine Erweiterung der Rebsorten kann nur auf Initiative der Winzerschaft geschehen. Durch das geltende EU-Recht liegt es ausschließlich in der Hand der Branche, an den bestehenden Bedingungen etwas zu verändern oder neue zu schaffen.

Weinrebstöcke gelten als empfindlich. Welche Sorten gedeihen hier bei uns?

Wir befinden uns hier am nördlichsten Rand eines Gebietes, in dem Weinanbau möglich ist. Und dies auch überhaupt nur, weil es sehr gute Neuzüchtungen gibt, die eine hohe Widerstandskraft gegen Pilzinfektionen besitzen. Das ist aber bisher nur wenig bekannt.
Die klassischen Rebsorten wie Müller-Thurgau oder Riesling haben es hier wirklich sehr schwer. Die Frage ist daher stets: Welche Rebsorte schafft es hier bei uns, überhaupt reif zu werden? Denn im Vergleich zu klassischen Weinbaugebieten ist die Vegetationszeit für die Weinreben zwischen Nord- und Ostsee nur sehr kurz.
Gute Erfolge gibt es hier bisher mit der weißen Rebsorte „Solaris”. Aber in Dänemark beispielsweise funktioniert auch die rote Sorte „Rondo” sehr gut.

Und wo werden welche Rebstöcke angebaut?

Es gibt Weinflächen im Kreis Rendsburg-Eckernförde, im Kreis Plön, Kreis Ostholstein, Kreis Stormarn und Kreis Nordfriesland. Dort werden überwiegend Sorten wie Solaris, Johanniter, Muscaris, Regent, Cabernet Cortis und Rondo, aber auch die Rebsorte Baron angebaut.

Kann man beispielsweise sagen „das ist ein Sylter Wein Jahrgang 2016″?

Sagen ja, allerdings dürfte die Angabe Sylt niemals auf einem Etikett erscheinen. Dort ist als einzige geografische Herkunftsangabe „Schleswig-Holsteinischer Landwein” zulässig.

Und wie schmeckt der Wein zwischen Nord- und Ostsee? Haben Sie einen Favoriten?

Sehr gut! Alle schleswig-holsteinischen Landweine, die ich schon probieren durfte, müssen sich nicht verstecken. Als kleines „Mitbringsel” verschenke ich gelegentlich auch selbst gern einmal Wein aus unserem Land.

Sind regionale Anbieter schon am Markt akzeptiert und etabliert?

Meines Wissens sind bisher alle regionalen Anbieter mit ihrem Erfolg zufrieden und können jedes Jahr ihre Weinernte auf dem Markt absetzen.

Spielen Bio-Anbieter dabei eine besondere Rolle?

Eigentlich noch nicht. Allerdings gibt es bereits drei Weinanbauer, die eine Umstellung auf ökologische Bewirtschaftung beantragt haben und somit bereits in der Umstellungsphase sind.