Je wilder, desto besser

Das „BlütenMeer 2020“ sorgt für mehr Artenreichtum in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein. Bunte Blumenwiesen mitten im Grasland? Das Summen und Flattern von zahlreichen Insekten, die von alters her zwischen Nord- und Ostsee zu finden sind? Wer solches auf einem Spaziergang in der grünen Natur Schleswig-Holsteins entdeckt, könnte auf das „BlütenMeer 2020“ gestoßen sein: Dahinter steckt ein Projekt der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, das 2014 begann und jetzt seinen Abschluss fand – und für zahlreiche bunte Flächen hierzulande sorgte.

Nach der Übertragung von Mahdgut: ein ehemalige Maisacker in der Postseefeldmark bei Preetz. Foto: R. Rickert

Dabei ging es den Naturschützern eigentlich weniger um ästhetische Aspekte – sondern darum, den bedrohten heimischen Wildpflanzen wieder ein Zuhause in Schleswig-Holstein zu geben: „Wir wollten mit ‚BlütenMeer 2020‘ ein bundesweites Zeichen für die Zukunftsfähigkeit unserer schleswig-holsteinischen Natur setzen“, erläuterte Dr. Walter Hemmerling, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein mit Sitz in Molfsee bei Kiel.

280 Hektar Land aufgewertet

Und das offenbar mit einigem Erfolg. Gut 280 Hektar artenarmes Grünland seien in den vergangenen sechs Jahren aufgewertet worden, teilte die Stiftung mit. Über 300 einzelne Aktionen, von der Aussaat von regional erzeugtem Saatgut über Einpflanzaktionen bis hin zu sogenannten Mahdgut-Übertragungen hätten dafür gesorgt, dass seltene Wildpflanzen wie etwa Arnika, Küchenschelle und Wiesen-Schlüsselblume jetzt wieder blühen. Gemeinsam mit Heide-Nelke, Wiesen-Margerite und vielen anderen wurden sie an mehr als 100 Standorten im ganzen Land angesiedelt.

Beim Übertragen von Mahdgut werden artenreiche Wiesen zu einem bestimmten Zeitpunkt gemäht und die Biomasse auf einem anderen, artenärmeren Areal wieder abgelegt. Der Vorteil: Mit den Wildblumen und -kräutern, die nach vielen Jahren nun wieder im echten Norden gedeihen, kommen auch bedrohte Insekten zurück, denn die Pflanzen dienen Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlingen als Nektar-Tankstellen. Auf diese Weise bieten sie bis weit in die kalte Jahreshälfte hinein eine Lebensgrundlage für die Insekten – und in der Folge auch für weitere Tiere, etwa Mäuse und Feldvögel.

Die Wiesen-Schlüsselblume hat ihre Wiederansiedlung in Schleswig-Holsteins Flora gut angenommen. Foto C. Dolnik

Die Wiesen-Schlüsselblume ist ein Star

Als einen Star des Projekts wertet die Stiftung insbesondere die Wiesen-Schlüsselblume, die mittlerweile wieder an mehreren Orten im Land blüht: „Diese gelbe Wiesenschönheit hat offenbar auf unser Projekt gewartet und streckt in diesen Tagen wieder ihre gelben Blüten in die Frühlingssonne, bildet Samen und vermehrt sich dankbar auf den Wiederansiedlungsflächen – wie gewünscht“, freut sich Projektleiter Dr. Christian Dolnik.

Im Rahmen des „Blütenmeers 2020“ wurde in Eggebek die Arche-Gärtnerei zur Förderung seltener Wildpflanzen in Schleswig-Holstein gegründet. In einem aufwendigen Verfahren wurden hier heimische Wildpflanzen vermehrt. Dafür wurden zunächst die Stellen im Land gesucht, an denen es noch natürliche Vorkommen von Pflanzenarten wie Arnika, Küchenschelle, Wiesen-Schlüsselblume und Heide-Nelke gab.

Arnika-Ernte: In der Eggebeker Arche-Gärtnerei wird regionales Saatgut gewonnen. Foto: W. Busch

Saatgut von 60 heimischen Wildpflanzen gewonnen

Dort wurden dann bestandsschonend Samen geerntet, die in der Arche-Gärtnerei – wieder in mühsamer Handarbeit – ausgesät und aufgezogen wurden. Mit diesem Verfahren konnte Saatgut von über 60 in Schleswig-Holstein heimischen Wildpflanzenarten gewonnen werden, sogenanntes „Regiosaatgut“.

Nach dem Abschluss des Projekts wurde die Arche-Gärtnerei nun in die neu gegründete „Blütenmeer GmbH“ übernommen. Mit diesem Schritt solle auch künftig sichergestellt werden, dass das Saatgut bedrohter Wildpflanzen Abnehmer findet, heißt es dazu von der Stfitung Naturschutz Schleswig-Holstein und dass artenreiche Wiesen, Weiden und Heiden in Schleswig-Holstein weiter zunehmen.