„Der Garten hält mich jung!“

Noch bis in den Oktober hinein findet die Aktion „Offener Garten“ in Schleswig-Holstein und Hamburg statt. Interessierte können unterschiedliche Gärten besuchen und sich beim Klönschnack mit den Besitzern Anregungen und Tipps fürs eigene Grün holen.

Breitenberg. Der eigene Garten: Hier fühlen sich viele Menschen besonders wohl, und zwar nicht nur in der warmen Jahreszeit: Es wird fleißig gegärtnert, neue Blumen werden gepflanzt, alte zurechtgestutzt, Beete und Rasen getrimmt. Gleichzeitig dient der Garten der Erholung, die Hängematte lädt auch im Herbst noch zur kleinen Siesta inmitten von Blumen und Bäumen ein. Wer sein eigenes Grün noch verschönern will, kann einfach auf Entdeckungstour bei anderen Gartenliebhabern gehen: Die Aktion „Offener Garten“ macht’s möglich.

Norbert und Helga Rick genießen mit Maike Heinatz die grüne Idylle – das Ehepaar hatte seinen Garten als eine der ersten in Schleswig-Holstein öffentlich zugänglich gemacht. Fotos: Nortex

Den Blick über den Tellerrand bietet die Initiative seit 2001. „Damals waren 20 Gartenbesitzer bereit, ihre Gärten öffentlich zu zeigen“, erinnert sich Maike Heinatz, die sich gemeinsam mit vier weiteren Frauen für die Aktion engagiert. Seither hat sich viel getan: In diesem Jahr sind rund 200 Gärten beteiligt, und das nicht nur zwischen Nord- und Ostsee, sondern auch in Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Interessierte können auf diese Weise zahlreiche völlig unterschiedliche Anlagen kennenlernen.

Hier trifft Natur auf Kunst

Zum Beispiel den Garten von Helga und Norbert Rick in Breitenberg, zwischen Itzehoe und Kellinghusen und unweit der Stör gelegen. Hier blüht, grünt und duftet es gewaltig: Prächtige Rosen locken Bienen an, auch die Clematis fehlt natürlich nicht, bunte Staudengewächse blühen in den Rabatten.

Bekannte und auch seltene Gräser sind hier zu finden, zwischendurch plätschert Wasser und dezente Kunst setzt weitere Akzente fürs Auge. Kurz: Alles ist voller Leben und Harmonie – der Gast, der zum ersten Mal in diesem Garten ist, schaut, staunt und will immer Neues entdecken.

Auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Areal genießt das Ehepaar Rick die prachtvolle Fülle ihres Gartens. Seit vielen Jahren dürfen andere daran teilhaben: „Wir gehören zu den ersten in Schleswig-Holstein, die ihren Garten für die Öffentlichkeit erlebbar gemacht haben“, sagt Helga Rick.

Das war 1995, damals kamen bereits erste Besucher, die sich den Garten anschauen wollten. Nach der Veröffentlichung in einem Kalender stiegt das Interesse schlagartig: „Es sprach sich herum“, sagt Helga Rick, „seitdem haben wir immer Reisegruppen hier, aus ganz Europa.“

„Nicht verrückt machen lassen“

Was macht den Garten der Ricks so einzigartig? „Die vielen Stauden, die Raumaufteilung und die vielen verschiedenen Gartenzimmer“, sagt Helga Rick. Gartenzimmer seien einzelne Bereiche im Garten, die mit ihrem eigenen Stil, Flora und Fauna angelegt werden. Hierzu zählen etwa der Garten am Sommerhaus, der Rabattengarten – farblich gegliedert in rosa- und lachsfarbene Blüten –, das Sonnenuntergangsbeet, in das die Sonnenstrahlen am Abend scheinen, der Rondellgarten und der „Secret Garden“ – der geheime Garten.

Man merkt, wie das Ehepaar darin lebt, Projekte plant und gemeinsam umsetzt. “ Es geht immer darum, den Garten in unterschiedliche Räume zu gliedern“, betont Helga Rick. Um den Pflege-Aufwand überhaupt bewältigen zu können, müsse man wissen, was wichtig ist – und sich darauf konzentrieren: Man dürfe sich nicht verzetteln, sondern müsse Prioritäten setzen. „Dann sieht der Garten auch immer vorzeigbar aus“, so die Expertin. „Der Garten ist nie unkrautfrei, das geht gar nicht. Sobald wir eine Ecke fertig haben, ist es an der nächsten schon wieder neu gewachsen. Davon darf man sich nicht verrückt machen lassen.“

Der Garten hält jung

Um ihren Garten weiter zu verschönern, haben sie viele Fahrten nach England unternommen – die britische Insel ist für ihre weit entwickelte Gartenkultur berühmt. Weitere Reisen ins europäische Ausland folgten, es ging in die Schweiz, nach Finnland und Schweden.

Bis 2019 reiste Helga Rick im Land umher und hielt Vorträge über die Gartengestaltung. „Manchmal gucke ich unseren Garten an – und kann kaum begreifen, wie das alles zustande kam“, sagt sie heute. Und fügt hinzu: „Ich bin so dankbar, dass wir noch immer die Kraft dazu haben, den Garten zu pflegen.“

Die Gartenarbeit halte sie jung und fit. Andererseits ist sie bereits 78 Jahre alt, ihr Mann über 80. „Die meisten in unserem Alter können das körperlich gar nicht mehr. Das ist ja richtige Arbeit!“ Aktuell ist das Ehepaar deshalb dabei, seinen Garten altersgerecht umzustellen. Mehrere gleiche Arten kommen in ein Beet, das macht es pflegeleichter. Der Garten zeigt einem auch seine Grenzen auf.“

Tipps, nette Gespräche und geschenkte Pflanzen

Seit 2006 machen die Ricks mit bei der Aktion Offener Garten Schleswig-Holstein. Warum? „Man lernt viele Leute kennen, die sich auch für das Thema Garten interessieren“, findet Helga Rick. „Und man gibt und bekommt Tipps, tauscht sich untereinander aus – das ist nett und nützlich.“ Genau das sei das Ziel vom „Offenen Garten“, so Maike Heinatz: „Wir wollen gartenbegeisterte Menschen zusammenbringen, und auch solchen Menschen, die keinen Garten haben, Lust auf Pflanzen und Natur machen“, sagt die 60 Jahre junge Hamburgerin.

Manchmal entstünden durch die Aktion sogar richtige Freundschaften, so die Gartenexpertin. Man wolle die hiesige Gartenkultur weiterentwickeln, und dazu gehöre beispielsweise auch, gemeinsam etwas gegen das Insektensterben zu tun. „Das funktioniert, indem man Wildstauden anpflanzt“, so Heinatz: „Der Nektar- und Pollenanteil in ursprünglichen Sorten ist viel höher als bei gezüchteten. Das ist natürlich gut für viele Insekten, etwa für Schmetterlinge.“

Auf www.offener-garten.de werden die teilnehmenden Gärten mit Bildern aufgelistet, inklusive Infos zu den Besitzern, Öffnungszeiten und derzeit geltenden Hygieneregeln. Der Garten von Helga und Norbert Rick, Schinkelweg 4, in 25597 Breitenberg, ist noch bis Mitte September jeden Sonntag zwischen 13 und 18 Uhr geöffnet. Weitere Infos gibt Familie Rick gern unter Telefon 04822/5761.