Zurück zu den Wurzeln

Diese Tage hätten eigentlich im Zeichen des größten Segelfests der Welt gestanden: doch die Kieler Woche wurde in den September verlegt.

Kiel. Immer in der letzten vollen Juni-Woche findet die Kieler Woche, mit drei Millionen Besuchern das weltweit größte Volksfest rund ums Segeln, statt. Eigentlich. Denn wegen der Pandemie wurde das zehntägige Spektakel in diesem Jahr auf den September verlegt und zugleich erheblich „abgespeckt“: In der Zeit vom 5. bis 13. September soll der Schwerpunkt des Festivals dann – anstelle von Konzerten, kulinarischen Köstlichkeiten, Kultur- und Spielevents an der Kiellinie – wieder verstärkt auf dem Segeln liegen. Damit kehrt die „KiWo“ zu ihren Ursprüngen in den 1880er Jahren zurück.

Marinekutterregatta zur Kieler Woche 1968. Foto: Bildnachlass Friedrich Magnussen

Damals wurden Marinekutter-Regatten veranstaltet, die 1881 mit einem Wettrennen zwischen zwei Gruppen von Matrosen der kaiserlichen Marine begannen: Auf der Förde traten die Männer in den Rettungsbooten der Kriegsschiffe gegeneinander an. In den darauffolgenden Jahren wurde das Rennen wiederholt, gewann an Popularität und soll so zum Vorläufer der Kieler Woche geworden sein.

Ein Journalist als Namensgeber

Am 23. Juli 1882 etwa starteten 20 Yachten zu einer Regatta vor Düsternbrook. 1889 besuchte zum ersten Mal Kaiser Wilhelm II. die Kieler Wettfahrten, 1892 lagen bereits 100 Anmeldungen zur Regattateilnahme vor. Der Name „Kieler Woche“ soll auf einen Journalisten zurückgehen, der die Veranstaltung 1894 in der Presse als erster so benannte.

Rein zahlenmäßig überwiegt heute die Zahl der Besucher die der Segelsportler bei Weitem. Rund 5000 Segler aus mehr als 50 Nationen kamen in den letzten Jahren durchschnittlich zur Kieler Woche, sie trugen ihre Wettkämpfe in 16 nationalen und internationalen Bootsklassen sowie in den zehn Olympischen Klassen aus. Bei den Regatten auf Marinekuttern, Optimisten, Jollen und großen Yachtkreuzern auf der Kieler Förde sahen ihnen eine Vielzahl Menschen dabei zu: Rund drei Millionen Gäste zieht die Kieler Woche gewöhnlich an.

Kein Volksfest in diesem Jahr: Große Menschenansammlungen soll es zur „KiWo“ 2020 nicht geben. Foto: LH Kiel / Jan Konitzki

Doch in diesem Jahr ist alles anders. „Die Corona-Pandemie wird uns alle noch viele Monate beschäftigen. Das Infektionsrisiko ist bei einem ausgelassenen Fest auch im September zu hoch“, betonte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer.

„Segeln plus X“

„In diesem Jahr heißt es deshalb ‚back to the basics‘ und ‚Segeln plus X‘“, betonte der Grünen-Politiker. Und fügte hinzu: „Wir wollen den Segelsport – und damit das historische Fundament der Kieler Woche – als Signal in den Mittelpunkt rücken. Und wir wollen schauen, was wir den Kielerinnen und Kielern darüber hinaus bieten können.“

Der Organisationsleiter der Kieler-Woche-Regatten ist Dirk Ramhorst. Er stimmt die Planungen, auch im Hinblick auf Teilnehmerzahlen, auf die aktuell bis August laufenden Corona-Beschränkungen ab. „Das wird voraussichtlich auch dazu führen, dass es in verschiedenen Bootsklassen maximale Meldezahlen geben wird“, so Ramhorst. Zentrum der Aktivitäten wird wie ind en Vorjahren auch in Schilksee sein.

Impressionen vom Olympiazentrum Schilksee während der Kieler Woche. Foto: Lh Kiel / Jan Konitzki

Blaues Band verliehen

Eine Ehrung durch Ministerpräsident Daniel Günther hätte eigentlich ebenso im Rahmen der Kieler Woche stattfinden sollen – nun wurde sie im kleinen Rahmen gefeiert: Der Chef der Kieler Landesregierung zeichnete vor Kurzem die Organisatoren der Marinekutter-Regatta mit dem Blauen Band aus, mit dem besondere Verdienste um den Wassersport in Schleswig-Holstein gewürdigt werden. Kapitänleutnant Thomas Geburzky, der seit mehr als zehn Jahren die Regatta leitet, nahm die Auszeichnung stellvertretend für sein Team entgegen.