Ein Leben für die Feuerwehr

Neumünster. Es ist einzigartig in Schleswig-Holstein: Seit 80 Jahren ist Hans-Heinrich Schacht Mitglied in der Feuerwehr Henstedt-Ulzburg – landesweit war keiner länger als Brandschützer im Dienst. Innenminister Grote ehrte den 96-Jährigen vor Kurzem bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Henstedt-Ulzburg.

Den 1. September 1939 verbinden heute viele mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. Für Hans-Heinrich Schacht war es jedoch der Anfang von einer Leidenschaft, die ihn sein ganzes Leben begleitet hat. Um andere zu schützen und zu retten, wurde er damals Mitglied der Feuerwehr in Ulzburg und ist es bis heute. Schacht ist das einzige Mitglied in einer schleswig-holsteinischen Feuerwehr, das auf eine so lange Mitgliedschaft zurückblicken kann.

Frühes Engagement

Mit gerade einmal 16 Jahren wurde  er Mitglied der Ulzburger Feuerwehr und ist ihr seitdem treu geblieben. Der heute 96-Jährige war von 1959 bis 1974 Ortswehrführer in Ulzburg und von 1974 bis 1986 Gemeindewehrführer. Danach wurde er Mitglied der Ehrenabteilung. Zum Zeitpunkt seines Eintritts waren Henstedt, Ulzburg und Götzburg noch einzelne Gemeinden. Erst 30 Jahre später schlossen sie sich zusammen.

„Vorbild für uns alle“

Bürgermeister Stefan Bauer (v.l.), Hans-Heinrich Schacht und seine Ehefrau Greta sowie Innenminister Hans-Joachim Grote. Foto: Innenministerium

Vom Besuch Grotes wusste Schacht nichts und war dementsprechend überrascht, plötzlich den Minister vor sich zu sehen. Dieser drückte seinen Respekt für Schachts Leistungen aus und bedankte sich für dessen jahrzehntelangen Einsatz für die Gemeinschaft.

„Seine Motivation war das Retten, Löschen, Bergen und Schützen. Diesen Zielen und Aufgaben ist er stets treu geblieben. Es gehörte und gehört für ihn zu seinem Leben wie selbstverständlich dazu. Ich kann gar nicht sagen, wie groß mein Respekt vor diesem Einsatz für die Gemeinschaft ist. Schacht ist ein Vorbild für uns alle und ich kann mich nur für seinen jahrzehntelangen Einsatz bedanken,“ sagte der Minister.

Die Zukunftsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr sei eine der zentralen Aufgaben seiner Arbeit, erklärte Grote: „Wir sind als Innenministerium in Gesprächen mit allen Beteiligten, um ein Zukunftskonzept für die Freiwilligen Feuerwehren im Land zu entwickeln.“ Das Land habe in den vergangenen Jahren bereits viel erreicht, zum Beispiel bei der Ausstattung der Feuerwehren mit der notwendigen und teilweise lebensrettenden Ausrüstung. Es ginge aber auch um gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung. Hans-Heinrich Schacht sei für ihn ein Beispiel großen Ansporns, so Grote.

Vom Praktikanten zur Legende

Artikel in zwei Teilen darüber, was einen Bad Bramstedter Schneidermeister, Karl Lagerfeld und Nortex verbindet.

Bad Bramstedt. Sie nennt ihn bis heute Karl-Otto: Sylvia Jahrke verbrachte ihre Jugendjahre mit Karl Lagerfeld auf Gut Bissenmoor. Wenn sie zurückblickt, fallen ihr viele Details aus der gemeinsamen Schulzeit, vom Leben in der Kleinstadt und zum späteren Werdegang des weltbekannten Modeschöpfers ein. Lagerfeld verstarb im Februar des Jahres, am 10. September hätte er seinen 86. Geburtstag gefeiert.

Chanel, Chloé und Fendi – der Designer führte berühmte Modehäuser zum Erfolg. Mit Zopf, hochgeschlossenem Hemdkragen und schwarzer Sonnenbrille stilisierte er sich zur Mode-Ikone. Doch bevor Lagerfeld zum erlesenen Kreis der Haute Couture zählte, war er hier im Norden zuhause: Bis in die 1950er Jahre lebte er als Jugendlicher in Bad Bramstedt.

„Sein Zeichentalent zeigte sich früh“, erinnert sich Sylvia Jahrke, die  heute im nah gelegenen Hitzhusen wohnt. Sie ging eine Klassenstufe unter Karl zur Schule, beide wohnten im Gutshaus.

„Wir waren beide Außenseiter”

Über Karl Lagerfelds Jahre in Bad Bramstedt sei schon vieles in der Presse berichtet worden – nicht alles könne sie nachvollziehen. Aber eines stimme: der junge Karl Lagerfeld sei stets etwas feiner  angezogen gewesen als die anderen Kinder. „Wir waren beide Außenseiter“, sagt die 85-Jährige.

Hier kommt Bruno Kluck ins Spiel. Der Schneidermeister war in den letzten Kriegsjahren aus Posen nach Schleswig-Holstein ge…flüchtet. In Bad Bramstedt fand seine Familie Zu…flucht – und er eine  Anstellung bei Nortex. „Nach der Währungsreform machte sich mein Vater als Maßschneider selbständig“, schildert sein Sohn Hagen Kluck. Mit Nortex-Firmengründer Richard Ohlhoff blieb er in gutem Kontakt – und der machte ihn mit den Lagerfelds bekannt.

Sie bestellten maßgeschneiderte Anzüge. Zu den Anproben habe  Otto Lagerfeld oft den jungen Karl mitgebracht. Er habe sich au—ffallend für Sto—ffmuster interessiert und dann ein Praktikum im kleinen Schneider-Atelier hinter der Bad Bramstedter Kirche gemacht, so Hagen Kluck: „Später hat mein Vater nach den  Entwürfen von Karl Lagerfeld einen Mantel genäht. Damit gewann Lagerfeld einen Wettbewerb, der ihm den Weg in die Modebranche ebnete.“

Lesen Sie im zweiten Teil am Sonntag, 10. November, wie der spätere „Modezar“ Karl Lagerfeld als Teenager Sylvia Jahrke das Radfahren beibrachte

Eine Zeitreise zurück in die 1960er

Zwischen Tradition und Moderne: die Kostüme der „Blaumeisen“ im Wandel der Jahrzehnte

Neumünster. Sie waren jahrzehntelang das Aushängeschild für Schleswig-Holstein – die Blaumeisen vertraten traditionell im blauen Kostüm das Land zwischen Nord- und Ostsee, auf der „Grünen Woche“-Messe in Berlin etwa oder während der „Norla“-Landwirtschaftsschau in Rendsburg.

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Die Blaumeisen sind zurück!

Bei Nortex und auf der Norla: Schülerinnen präsentieren blau-weiß-rote Lebensart

Hanerau-Hademarschen. Form, Schnitt und Konfektionsgröße haben sich durch die Jahrzehnte geändert – der Auftrag und das Auftreten der Blaumeisen nicht: Seit 1964 präsentieren die Schülerinnen der Fachschule für Hauswirtschaft im ländlichen Raum Delikatessen und Lebensart aus Schleswig-Holstein für den Rest der Welt.

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Sehnsucht auf Rädern

Nortex war einer der ersten Auftraggeber für Möller’s Reisedienst

Neumünster. Es war die Zeit des Aufbruchs: In Deutschland begann in den 1950er Jahren das Wirtschaftswunder.
Aus Trümmern entwickelten sich eine immer größer werdende Produktion, der Handel nahm stetig zu. Auch das NORTEX-Werk in Bad Bramstedt war gut ausgelastet – denn die Nachfrage nach Bekleidung stieg.

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